Rajie

Was in der Nacht vor der Kantine passiert ist

In der Nacht auf den 25. Oktober 2026 wurde ich aus dem Kantine Club in Konstanz geworfen. Wenig später haben mich zwei Türsteher draussen auf der Strasse zu Boden gebracht. So habe ich es erlebt.

Stand: 30. Oktober 2026

Meine Schilderung

Ich war am Samstagabend in der Kantine im Neuwerk in Konstanz, hatte Eintritt bezahlt und an der Bar ein Bier gekauft. Irgendwann nach Mitternacht haben mich die Türsteher hinausgebeten. Einen Grund haben sie mir nicht genannt. Das ist ihr Hausrecht, und ich bin gegangen.

Mein Rucksack stand noch hinten im Raum. Ich habe gefragt, ob ich ihn holen darf. Die Antwort war Nein: Ich solle draussen warten, vielleicht eine Stunde. Ich bin zur Tankstelle gelaufen, zurückgekommen und habe wieder gefragt. Wieder Nein.

Später hat ein Türsteher den Rucksack geöffnet, meinen Laptop herausgenommen und ihn zu mir an den Eingang gebracht. Ich sollte ihn entsperren, um zu zeigen, dass er mir gehört. Ich habe ihn entsperrt. Danach wurde der Laptop zurückgetragen, eingepackt, und ich bekam den Rucksack.

Ich bin um die Ecke zu meinem Fahrrad gegangen, weg vom Gelände, auf die öffentliche Strasse, und habe die Kopfhörer aufgesetzt. Dann hat mich jemand von hinten angetippt. Zwei Türsteher wollten meinen Ausweis sehen. Ich habe abgelehnt: Ich war bereits drin gewesen, hatte bezahlt und war bereits hinausgeworfen worden.

Daraufhin haben mich die beiden gepackt und zu Boden gebracht. Mein Kopf ist auf dem Asphalt aufgekommen. Dass mein Ohr heil ist, verdanke ich dem Kopfhörer, den ich zehn Tage vorher gekauft hatte. Er ist jetzt tief zerkratzt.

Ein paar Tage später bin ich in die Kantine gegangen und habe die Sache in Ruhe geschildert. Ein Gespräch kam nicht zustande, stattdessen bekam ich Hausverbot.

Ich stelle Strafanzeige. Alles Weitere sollen Polizei und Staatsanwaltschaft klären. Wer in dieser Nacht etwas gesehen hat, kann sich gern bei mir melden.

Das ist meine Schilderung. Eine Stellungnahme der Kantine liegt mir nicht vor. Ich nenne bewusst keine Namen von Mitarbeitenden.

Gedicht: Asphalt um drei

Zehn Euro an der Tür, ein Bier in der Hand,
dann ein Arm an der Schulter, kein Grund, nur die Wand.
Draussen ist kälter, der Rucksack bleibt drin,
„Vielleicht in 'ner Stunde.“ Ich frag, wo ich bin.

Sie tragen den Laptop durchs Licht bis zum Tor,
ich tipp mein Passwort und weis mich so vor.
Mein Leben entsperrt für zwei fremde Gesichter,
dann zurück in den Sack, und die Nacht wird nicht lichter.

Um die Ecke mein Fahrrad, Musik auf dem Ohr,
die Strasse gehört keinem, sie gehört nur dem Flor
aus Laternen und Laub. Dann ein Tippen im Rücken:
„Den Ausweis.“ Ich sag Nein. Und dann kommt das Bücken.

Zwei Körper auf einem, der Boden ist hart,
der Kopfhörer kratzt, wo das Ohr sonst gekratzt ward.
Er hat mich gehalten, zehn Tage erst alt,
jetzt trägt er die Narben vom Konstanzer Asphalt.

Ich hab keinen geschlagen, ich hab nur gefragt,
nach dem Rucksack, nach Gründen. Mir wurde nichts gesagt.
Jetzt schreib ich es auf, ohne Wut, ohne Hast:
Eine Tür hat ein Recht. Doch die Strasse hat Gast.

Für die Presse

Sechs fertige Texte von der Kurzmeldung bis zum Kommentar: Pressetexte

Dazu passt

Steh mit beiden

Freestyle, aufgenommen am 17.04.2026, vom Tape „Dächer der Stadt“

Mit beiden Beinen stehen, auch wenn einen jemand zu Boden bringen will.

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Dächer der Stadt

Auf Spotify & Co. ab 18. November 2026

Herunterladen (21 MB) · CC BY 4.0

Über den Dächern von Konstanz

55 Aufnahmen, eine Kugel. Ziehen zum Umsehen, ganz unten sitze ich.